Influencer-Kooperationsvertrag

Influencer-Kooperationsvertrag: Regelt Pflichten (Anzahl Posts), Vergütung und Kennzeichnungspflichten von Werbung.

 

Einleitung

Die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Influencern ist in der modernen Marketinglandschaft nicht mehr wegzudenken. Um Missverständnisse zu vermeiden und beide Parteien rechtlich abzusichern, ist ein professioneller Influencer-Kooperationsvertrag essentiell. Dieser rechtliche Rahmen schafft Klarheit über gegenseitige Pflichten, definiert die genaue Anzahl und Art der zu erstellenden Posts, regelt die finanzielle Vergütung und sichert die Einhaltung von Kennzeichnungspflichten für bezahlte Inhalte ab. In diesem Artikel erfahren Sie, welche Bestandteile ein solcher Vertrag enthalten sollte und worauf Sie bei der Vertragsgestaltung achten müssen.

Definition und Bedeutung eines Influencer-Kooperationsvertrags

Rechtliche Grundlagen der Influencer-Zusammenarbeit

Ein Influencer-Kooperationsvertrag stellt ein rechtsverbindliches Dokument dar, das die gegenseitigen Verpflichtungen zwischen einem Content-Creator und einem Unternehmen festlegt. Diese vertragliche Grundlage gewinnt in der modernen Marketinglandschaft zunehmend an Bedeutung, da die Zusammenarbeit mit Influencern nicht mehr nur informell, sondern professionell strukturiert ablaufen sollte. Die rechtlichen Grundlagen dieser Verträge fußen auf dem deutschen Bürgerlichen Gesetzbuch, insbesondere auf den Regelungen zu Dienstleistungsverträgen und Lizenzvereinbarungen. Sie müssen zudem die Vorgaben des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb sowie des Telemediengesetzes beachten, die speziell Werbekennzeichnungen regeln.

Unterschied zwischen informellen und formalen Vereinbarungen

Während informelle Absprachen möglicherweise auf persönliche Freundschaften oder mündliche Zusagen basieren, bieten formale schriftliche Verträge rechtliche Sicherheit für beide Parteien. Informelle Arrangements bergen erhebliche Risiken: Sie können zu Missverständnissen bezüglich der Leistungserwartungen führen, erschweren die Durchsetzung von Ansprüchen und hinterlassen im Streitfall keine dokumentierten Nachweise. Ein formaler Influencer-Kooperationsvertrag schafft hingegen Klarheit und Transparenz. Er dokumentiert die vereinbarten Inhalte, Zeiträume, Kompetenzen und Vergütungsstrukturen, was im Falle von Unstimmigkeiten entscheidend für die Klärung von Verantwortlichkeiten ist. Ein solcher Vertrag ist insbesondere beim professionellen Influencer-Marketing unverzichtbar.

Relevanz für Marken und Content-Creator

Für Marken sind Influencer-Kooperationsverträge das zentrale Instrument zur Kontrolle ihrer Markenbotschaft. Sie ermöglichen es ihnen, spezifische Anforderungen zu formulieren, die Einhaltung von Qualitätsstandards sicherzustellen und ihre Investitionen zu schützen. Besonders wichtig ist die Möglichkeit, Kennzeichnungspflichten zu regeln und rechtliche Risiken zu minimieren. Für Content-Creator bieten diese Verträge Schutz ihrer Urheber- und Persönlichkeitsrechte, sichern ihre Vergütung ab und schaffen Klarheit über Nutzungsrechte ihrer Inhalte. Ein professionell gestalteter Vertrag trägt auch dazu bei, die Position des Influencers als Geschäftspartner zu stärken, anstatt ihn als bloße Kostenstelle zu behandeln.

Wesentliche Vertragsparteien und ihre Rollen

Die Rolle des Influencers als Dienstleister

Der Influencer tritt in einem Kooperationsvertrag als Dienstleister auf, dessen Leistung in der Erstellung und Veröffentlichung von Werbeinhalten besteht. Diese Rolle ist von großer Bedeutung, da sie rechtliche Auswirkungen hat. Ein Influencer verpflichtet sich, vertragsgemäße Content-Inhalte zu produzieren, diese zu veröffentlichen und dabei bestimmte Qualitätsstandards einzuhalten. Der Vertrag sollte deutlich festlegen, dass der Influencer als unabhängiger Unternehmer und nicht als Arbeitnehmer des kooperierenden Unternehmens tätig wird. Dies ist insbesondere für Steuern, Sozialversicherungen und arbeitsrechtliche Belange relevant. Als Dienstleister trägt der Influencer Verantwortung für die Authentizität seiner Inhalte, muss Kennzeichnungspflichten einhalten und darf die Reputation des Partners nicht beschädigen.

Rechte und Pflichten des Unternehmens

Das Unternehmen hat das Recht, konkrete Anforderungen an die Content-Gestaltung zu stellen, etwa bezüglich der Anzahl, Art und Qualität von Posts. Es kann die Einhaltung vertraglicher Verpflichtungen überprüfen und gegebenenfalls Korrekturen fordern. Das Unternehmen muss andererseits seine Verpflichtung zur pünktlichen Zahlung der vereinbarten Vergütung erfüllen, den Influencer mit notwendigen Informationen zu Produkten versorgen und bei der Einhaltung von Kennzeichnungspflichten unterstützen. Weiterhin sollte das Unternehmen die Urheber- und Nutzungsrechte des Influencers respektieren und diese nicht über das Vereinbarte hinaus nutzen. Eine häufig übersehene Pflicht ist die Bereitstellung von Produktmustern oder notwendigen Materialien rechtzeitig vor dem geplanten Veröffentlichungstermin.

Relevanz von Haftungsregelungen

Haftungsregelungen sind essentiell, um die Risiken beider Parteien zu definieren. Der Influencer sollte sich nur für Schäden haftbar machen müssen, die durch seine vorsätzliche oder grob fahrlässige Verletzung von Vertragspflichten entstehen. Typischerweise häufige Haftungsfälle betreffen die Nichtveröffentlichung von Posts, fehlerhafte Kennzeichnungen oder die Nutzung von Inhalten, die Urheberrechte anderer verletzen. Das Unternehmen wiederum sollte für die Rechtskonformität der beworbenen Produkte oder Dienstleistungen einstehen und den Influencer schadlos halten, falls dieser wegen rechtswidriger Produktwerbung in Anspruch genommen wird. Eine Haftungsfreistellung kann entscheidend sein, um beide Parteien vor existenzbedrohenden Schadensersatzverpflichtungen zu bewahren.

Festlegung der Post-Anzahl und Content-Formate

Konkrete Spezifikation der geforderten Posts

Die Anzahl der zu erstellenden Posts sollte im Vertrag unmissverständlich definiert werden. Es ist nicht ausreichend, allgemein von mehreren Beiträgen zu sprechen. Stattdessen sollte der Vertrag genau festhalten: Wie viele Feed-Posts werden verlangt, wie viele Stories sollen veröffentlicht werden, wird ein Reel oder Video erwartet? Die Spezifikation sollte auch zeitliche Elemente beinhalten, etwa ob die Posts an bestimmten Tagen erfolgen müssen oder in welchem zeitlichen Abstand zueinander. Ein Missverständnis in diesem Punkt führt häufig zu Konflikten. Es ist daher empfehlenswert, jede einzelne Leistung aufzulisten, beispielsweise fünf Feed-Posts à Wochenabstand, zehn Instagram-Stories in den ersten zwei Wochen nach Kampagnenstart.

Unterschied zwischen Feed-Posts, Stories und Reels

Feed-Posts sind die klassischen, dauerhaft auf dem Profil sichtbaren Inhalte, die eine höhere Dauerhaftigkeit und Sichtbarkeit bieten. Instagram-Stories sind dagegen nur 24 Stunden sichtbar und dienen eher der Erzeugung von Aufmerksamkeit und Dringlichkeit. Reels sind kurze Videoformate, die besonders hohe Engagement-Raten erzielen können. TikTok-Videos haben ähnliche Charakteristiken wie Reels. YouTube-Videos können längerfristig sein und eignen sich für tiefere Content-Vermittlung. Der Vertrag sollte differenzieren, welche Formate zu welchem Zweck eingesetzt werden und wie die Vergütung im Verhältnis zu deren Produktionsaufwand steht. Typischerweise erfordert die Erstellung eines qualitativ hochwertigen Reels oder YouTube-Videos deutlich mehr Aufwand als ein einfacher Feed-Post oder eine Story.

Qualitätsstandards und Content-Richtlinien

Der Vertrag sollte präzise Qualitätsanforderungen festlegen, um Missverständnisse zu vermeiden. Dies umfasst technische Standards wie Auflösung, Bildformat und Länge, aber auch inhaltliche Anforderungen. Gibt es bestimmte Keywords, die erwähnt werden sollen? Welche Botschaften sind zentral? Wie sollte das Produkt in Szene gesetzt werden? Content-Richtlinien sollten auch Grenzen definieren, etwa welche Aussagen unzulässig sind oder welche Themen vermieden werden müssen. Ein gutes Beispiel ist die Festlegung, dass der Influencer keine widersprüchlichen Produktbotschaften bei konkurrierenden Marken verbreiten darf. Qualitätsstandards sollten realistisch sein und zur Reputation und Stil des Influencers passen, um eine authentische Darstellung zu gewährleisten.

Vergütungsmodelle und finanzielle Regelungen

Festhonorar versus leistungsabhängige Vergütung

Das Festhonorar-Modell bietet Sicherheit für beide Parteien. Der Influencer erhält einen vereinbarten Betrag unabhängig von den Kampagnenergebnissen, was eine sichere Planung ermöglicht. Das Unternehmen weiß exakt, welche Kosten entstehen. Leistungsabhängige Modelle hingegen können variabler sein und orientieren sich an messbaren Ergebnissen wie Reichweite, Engagement-Rate oder Klicks. Sie bergen das Risiko, dass der Influencer trotz hohem Aufwand weniger verdient, falls die Kampagne unterperformt. Dies kann zu Motivationsproblemen führen. Häufig sinnvoll ist ein hybrider Ansatz: Ein garantiertes Basishonorar mit zusätzlichen Bonuszahlungen, wenn definierte Performance-Ziele erreicht werden. Dies bietet dem Unternehmen Flexibilität und dem Influencer Sicherheit.

Zahlung nach Abschluss oder in Raten

Die Zahlungsmodalität ist für den Influencer von großer Bedeutung. Ein übliches Modell ist die Zahlung in zwei Raten: 50 Prozent bei Vertragsunterzeichnung, um dem Influencer Sicherheit zu geben, und 50 Prozent nach Veröffentlichung und Überprüfung aller vereinbarten Inhalte. Alternativ können Zahlungen nach jeder einzelnen geleisteten Leistung erfolgen, etwa nach Veröffentlichung jedes Posts. Für längerfristige Kampagnen mit monatlichen Inhalten kann eine monatliche Abrechnung sinnvoll sein. Der Vertrag sollte eine verbindliche Zahlungsfrist enthalten, etwa Zahlungseingang innerhalb von 14 Tagen nach Rechnungsstellung oder nach Vertragserfüllung. Eine zu lange Zahlungsfrist ist für den Influencer nachteilig und kann zu Liquiditätsproblemen führen.

Zusätzliche Leistungen und deren Entgelt

Über die Grundleistung der Content-Erstellung hinaus können weitere Leistungen relevant werden. Dazu gehören beispielsweise die Nutzung von bereitgestelltem Bildmaterial über die ursprüngliche Kampagne hinaus, die Bearbeitung oder Neuaufnahme von Posts auf Anforderung des Unternehmens, oder die Teilnahme an Live-Events. Auch die Erstellung von Thumbnail-Grafiken, von speziellem SEO-optimiertem Text oder von Multiple-Choice-Varianten eines Posts sollten als zusätzliche, separate Leistungen behandelt werden. Dies sollte im Vertrag eindeutig festgehalten und jeweils mit einem zusätzlichen Honorar versehen sein. Es ist problematisch, wenn das Unternehmen später unbegrenzte Änderungen oder Anpassungen verlangt, ohne dass eine zusätzliche Vergütung vorgesehen ist. Eine Limitierung auf beispielsweise zwei Überarbeitungsrunden pro Post ist daher empfehlenswert.

Kennzeichnungspflichten und Transparenzanforderungen

Rechtliche Vorgaben für Werbekennzeichnungen

Die Kennzeichnung von Werbeinhalten ist in Deutschland und der EU rechtlich vorgeschrieben und wird sowohl durch das Telemediengesetz als auch durch die Medienstaatsverträge geregelt. Das Unternehmen, nicht der Influencer, trägt die primäre Verantwortung dafür, dass die Werbung erkannt wird. Der Influencer muss diese Kennzeichnungspflichten einhalten, aber der kooperative Partner sollte explizit im Vertrag darauf hinweisen, dass es sich bei den bereitgestellten Inhalten um bezahlte Werbung handelt. Fehlende Kennzeichnungen können zu Abmahnungen und Bußgeldern führen. Besonders Influencer mit großem Einfluss und Reichweite sind häufiger Ziel von Abmahnungen durch Konkurrenten oder Verbraucherverbände. Ein guter Vertrag schützt beide Parteien durch klare Regelungen zur Kennzeichnung.

Die Rolle von Hashtags und Disclaimern

Das bewährte Mittel zur Kennzeichnung von Werbung sind sprechende Hashtags wie #ad, #Anzeige, #Werbung oder #Sponsoredpost. Diese sollten an prominenter Stelle in der Caption oder am Anfang des Textes stehen, um sofort erkannt zu werden. Ebenso wichtig sind klare Disclaimers wie Anmerkungen unter Story-Elementen, die eine Partnerschaft deutlich machen. Der Vertrag sollte festlegen, welche Kennzeichnungsmethode verwendet wird und wo diese zu platzieren ist. Ein Satz wie Dieser Post enthält Werbung für [Produktname]“ ist prägnant und juristisch sicher. Auch Brand Stickers auf Instagram oder die Nennung eines Kooperationspartners in Stories sind gängige Methoden. Der Influencer sollte im Vertrag instruiert werden, welche Formulierungen zu verwenden sind, um Missverständnisse zu vermeiden.

Folgen bei Nichteinhaltung der Kennzeichnungspflicht

Fehlerhafte oder fehlende Kennzeichnungen haben erhebliche Konsequenzen. Das Unternehmen kann von den Plattformen abgemahnt werden, es drohen Geldbußgelder von bis zu 10.000 Euro in Baden-Württemberg und anderen Bundesländern. Auch der Influencer kann persönlich haftbar gemacht werden. Eine weitere Folge ist der Vertrauensverlust bei der Zielgruppe, wenn diese Werbung als versteckte oder manipulierte Botschaft wahrnimmt. Im Vertrag sollte daher eine Klausel enthalten sein, die festlegt, dass beide Parteien für die korrekte Kennzeichnung verantwortlich sind und eine Seite die andere freistellt, falls unentschuldbare Fehler entstehen. Dies schützt beide Seiten vor ungerechtfertigten Schadensersatzforderungen und macht deutlich, dass Kennzeichnungspflichten ernst genommen werden.

Nutzungsrechte und Bildrechtsklauseln

Exklusive versus nicht-exklusive Nutzungsrechte

Nutzungsrechte sind ein zentrales Element von Influencer-Kooperationsverträgen. Nicht-exklusive Rechte bedeuten, dass der Influencer die Inhalte selbst auf seinen Kanälen veröffentlichen kann und das Unternehmen diese ebenfalls nutzen darf, etwa auf der eigenen Website oder in Marketingmaterialien. Exklusive Rechte hingegen bedeuten, dass nur das Unternehmen die Inhalte nutzen darf oder dass eine Nutzung durch den Influencer zeitlich begrenzt ist. Exklusive Rechte sind für das Unternehmen attraktiver, da nur dieses die beworbenen Inhalte später weiterverwenden kann, und daher üblicherweise höher vergütet. Der Influencer sollte aber vorsichtig sein, sich zu lange exklusive Rechte zu erteilen, da dies seine eigene Porte folio-Nutzung einschränkt. Ein guter Kompromiss ist eine zeitlich begrenzte Exklusivität von beispielsweise drei Monaten.

Dauer der Nutzungsberechtigung

Der Vertrag muss absolut klar definieren, wie lange das Unternehmen die vom Influencer erstellten Inhalte nutzen darf. Unterschieden werden sollte zwischen zeitlich begrenzten Rechten und zeitlich unbegrenzten Rechten. Eine zeitlich unbegrenzte Lizenzierung ist für den Influencer ungünstig, da das Unternehmen die Inhalte potenziell Jahrzehnte später noch nutzen kann, ohne erneut zu zahlen. Realistisch ist eher eine Nutzungsdauer von ein bis drei Jahren. Nach Ablauf sollte das Unternehmen die Inhalte nicht mehr aktiv bewerben dürfen, wobei bestehende Veröffentlichungen oder Archive nicht zwangsweise gelöscht werden müssen. Dies ist ein fairer Kompromiss: Das Unternehmen kann die Inhalte langfristig referenzieren, nutzt sie aber nicht mehr aktiv für neue Kampagnen. Die Klausel sollte auch regeln, was mit Inhalten geschieht, die aus archäologischen Gründen noch sichtbar sind, aber nicht mehr aktiv gepromot werden.

Rechte an User-Generated Content

Eine immer häufigere Situation ist, dass der Influencer Posts erstellt, in denen Follower-Kommentare oder Follower-Inhalte (UGC) integriert sind. Hier stellt sich die Frage: Wer darf diese später nutzen? Der Vertrag sollte regeln, dass das Unternehmen nur die vom Influencer selbst erstellten Originalinhalte nutzen darf, nicht aber den Zugriff auf Kommentare oder Inhalte von Dritten erhält. Dies schützt die Privatsphäre der Follower. Wenn der Influencer beispielsweise Screenshot von Follower-Kommentaren in seinen Post einbaut, sollte vorab geklärt sein, ob das Unternehmen diese ebenfalls zeigen darf. Ethisch sind hier Grenzen zu setzen, denn Follower haben dem Unternehmen nicht zugestimmt, sondern nur dem Influencer. Eine klare Regelung vermeidet später entstehende Konflikte und schützt alle Beteiligten.

Laufzeit und Vertragsdauer

Festlegung des Vertragszeitraums

Der Vertrag sollte ein klares Startdatum und ein Enddatum enthalten. Der Starttermin ist idealerweise das Unterzeichnungsdatum oder ein kurz danach liegendes Datum. Das Enddatum sollte sich an der letzten geplanten Veröffentlichung orientieren, nicht an der Erstellung des Contents. Dies gibt dem Influencer Klarheit über die Projektdauer. Für kurzfristige Kampagnen mit wenigen Posts kann die Vertragslaufzeit beispielsweise zwei Monate betragen, bei längerfristigen Kooperationen können es auch sechs bis zwölf Monate sein. Es ist sinnvoll, zu differenzieren zwischen der Leistungsphase (Erstellung und Veröffentlichung von Content) und der Nachvertraglichen Verpflichtungen. Beispielsweise könnte die Leistungsphase zwei Monate dauern, während Geheimhaltungsverpflichtungen noch ein Jahr darüber hinaus gelten.

Optionen für Verlängerungen und Kündigungen

Viele Unternehmen mögen Optionen, um Kooperationen bei Erfolg zu verlängern, ohne jedes Mal neu verhandeln zu müssen. Ein Vertrag kann daher eine Verlängerungsoption vorsehen, etwa dass die Zusammenarbeit um weitere zwei Monate verlängert wird, wenn beide Parteien dies bis vier Wochen vor Vertragsende nicht ablehnen. Solche automatischen Verlängerungen müssen aber klar kommuniziert werden, um ungewollte Verlängerungen zu vermeiden. Alternativ kann eine zweistufige Struktur vereinbart werden: Die erste Phase mit definierten Inhalten und einer Option für eine zweite Phase mit angepassten Anforderungen. Dies erlaubt es beiden, erste Erfahrungen zu sammeln, bevor eine langfristigere Verpflichtung eingegangen wird.

Regelungen für vorzeitige Beendigung

Beide Parteien sollten sich für bestimmte Situationen das Recht zur vorzeitigen Beendigung bewahren. Das Unternehmen möchte möglicherweise aussteigen, wenn der Influencer die Qualitätsstandards nicht einhält oder in Skandale verwickelt wird. Der Influencer möchte austeigen können, wenn das Unternehmen seine Zahlungsverpflichtungen nicht erfüllt oder unrealistische Anforderungen stellt. Der Vertrag sollte daher eine Kündigungsfrist regeln, etwa dass eine schriftliche Kündigung mit einer Frist von zwei Wochen zum Ende eines Kalendermonats möglich ist. Außerordentliche Kündigungsgründe, wie Zahlungsverzug oder schwerwiegende Vertragsverletzungen, sollten eine fristlose Kündigung erlauben. Auch sollte geklärt sein, was mit bereits geleisteter Arbeit geschieht: Wird der Influencer für bereits veröffentlichte Posts bezahlt, aber nicht für zukünftige?

Geheimhaltungs- und Confidentiality-Klauseln

Schutz von Geschäftsgeheimnissen und Produktinformationen

Influencer erhalten häufig Zugang zu noch nicht öffentlichen Produktinformationen, Marktstrategien oder internen Geschäftsgeheimnissen. Ein Confidentiality-Vertrag oder eine entsprechende Klausel im Kooperationsvertrag schützt diese sensiblen Informationen. Der Influencer verpflichtet sich, solche Informationen nicht an Dritte weiterzugeben und nicht öffentlich zu machen, beispielsweise nicht auf sozialen Medien zu posten, bevor das Unternehmen offiziell gestartet hat. Dies ist besonders wichtig bei Launch-Kampagnen für neue Produkte, wo das Element der Überraschung entscheidend ist. Die Geheimhaltungsverpflichtung sollte eine Ausnahme für gesetzlich zulässige Weitergaben vorsehen, etwa an den eigenen Steuerberater oder Anwalt des Influencers. Die Vertragsdauer endet, aber die Geheimhaltung kann über die Vertragslaufzeit hinaus gelten.

Handhabung sensibler Daten

Im Kontext der DSGVO müssen auch personenbezogene Daten geschützt werden. Wenn der Influencer Daten von Followern erhebt, etwa durch Abstimmungen in Stories oder Umfragen, sind Datenschutzvorkehrungen zu treffen. Der Vertrag sollte regeln, wer welche Daten verarbeiten darf und zu welchem Zweck. Sensible Daten wie Gesundheitsinformationen oder Finanzinformationen erfordern besondere Vorsichtsmaßnahmen. Das Unternehmen darf beispielsweise nicht erwarten, dass der Influencer personenbezogene Daten seiner Follower an das Unternehmen übermittelt, ohne dass diese zugestimmt haben. Eine klare Datenschutzklausel schützt both the influencer vor persönlicher Haftung und das Unternehmen vor Datenschutzstrafen. Der Vertrag sollte auch regeln, wie lange Daten gespeichert werden und wie sie gelöscht werden.

Vertraulichkeitsregelungen nach Vertragsende

Die Geheimhaltungsverpflichtung endet nicht automatisch, wenn der Vertrag auslauft. Viele Unternehmen möchten, dass Geheimhaltungsverpflichtungen noch Jahre nach dem Ende der Zusammenarbeit fortbestehen. Eine typische Regelung ist, dass Geheimhaltungsverpflichtungen noch fünf Jahre nach Vertragsende gelten. Dies ist für den Influencer zu akzeptieren, wenn es sich um echte Geschäftsgeheimnisse handelt, beispielsweise zukünftige Produktentwicklungen oder Geschäftsstrategien. Allerdings sollte eine Ausnahme gelten, wenn diese Informationen später öffentlich bekannt werden, da eine unbegrenzte Geheimhaltungsverpflichtung für bereits öffentliche Information unrealistisch ist. Der Influencer sollte auch die Möglichkeit haben, bei Bedarf Informationen zu seinem eigenen Schutz oder auf legal erzwungene Weise freizugeben.

Haftung und Versicherungsregelungen

Haftung für fehlerhafte oder verspätete Inhalte

Der Influencer trägt die Verantwortung dafür, dass die vertraglich vereinbarten Inhalte tatsächlich erstellt und veröffentlicht werden. Sollten Posts nicht zum vereinbarten Zeitpunkt online gehen oder die Qualität deutlich unter den Erwartungen liegen, kann das Unternehmen dies als Verletzung von Vertragspflichten geltend machen. Die Haftung sollte aber verhältnismäßig sein: Eine leichte Verspätung von wenigen Stunden darf nicht zum Grund für Schadensersatzforderungen werden. Der Vertrag könnte beispielsweise ein Toleranzfenster von 48 Stunden vorsehen. Bei erheblichen Verspätungen, etwa wenn ein Post zwei Wochen zu spät kommt, kann das Unternehmen eine Kostenerstattung fordern oder in extremen Fällen vom Vertrag zurücktreten. Auch fehlerhafte Inhalte, etwa wenn der falsche Produkt-Link verwendet wird oder Typos die Botschaft verfälschen, sollten geklärt sein: Der Influencer sollte diese kostenfrei korrigieren.

Schutz vor Markenrechtsverletzungen

Ein wichtiges Haftungsthema ist der Schutz vor Markenrechts- und Urheberrechtsverletztungen. Der Influencer muss sicherstellen, dass die von ihm verwendeten Bilder, Musik oder Grafiken, die nicht vom Unternehmen bereitgestellt wurden, nicht die Rechte Dritter verletzen. Dies ist besonders bei der Verwendung von Musik in Reels oder Videos wichtig. Der Vertrag sollte eine Gewährleistung enthalten, dass der Influencer alle notwendigen Genehmigungen eingeholt hat. Umgekehrt sollte das Unternehmen garantieren, dass die bereitgestellten Materialien und das beworbene Produkt nicht gegen Rechte Dritter verstoßen. Das Unternehmen sollte auch eine Geheimhaltung eingeben, wenn gegen es selbst Rechtsansprüche erhoben werden, etwa wenn das beworbene Produkt unlautere oder irreführende Angaben enthält. Eine gegenseitige Haftungsfreistellung ist fair: Jede Seite trägt die Verantwortung für ihre eigenen Verletzungen.

Regelungen im Schadensfall

Sollte es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zu Schäden kommen, muss der Vertrag Regelungen enthalten, wie damit umzugehen ist. Dies umfasst Prozeduren zur Benachrichtigung der anderen Seite, zur Dokumentation des Schadens und zu Maßnahmen zu dessen Behebung. Beispielsweise könnte der Influencer im Fall einer Urheberrechtsverletzung verpflichtet sein, das Bild sofort zu entfernen und eine Entschuldigung zu posten. Die Schadensersatzhaftung sollte begrenzt sein. Viele Verträge enthalten eine Haftungsobergrenze, etwa dass die Haftung des Influencers nicht das erhaltene Honorar übersteigt. Dies ist fair, denn eine Haftung in unbegrenzter Höhe würde den Influencer einem unverhältnismäßigen Risiko aussetzen. Eine Ausnahme sollte für grobe Fahrlässigkeit oder Vorsatz gelten, wo unbegrenzte Haftung berechtigt ist.

Compliance und rechtliche Conformity

Einhaltung von Datenschutzgesetzen und DSGVO

Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und das deutsche Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) sind für Influencer-Kooperationen relevant. Der Influencer darf, wenn er persönlich Daten verarbeitet, dies nur zu Zwecken tun, denen die betroffenen Personen zugestimmt haben. Dies ist etwa bei Umfragen oder E-Mail-Sammlungen relevant. Der Vertrag sollte regeln, dass der Influencer als eigenverantwortlicher Datenverarbeiter auftritt und sich selbst um die erforderlichen Datenschutzerklärungen kümmert. Ist das Unternehmen Auftragsverarbeiter, müssen formale Auftragsverarbeitungsverträge (AV-Verträge) abgeschlossen werden. Ein oft übersehener Punkt: Follower-Listen dürfen nicht einfach an das Unternehmen weitergegeben werden, es sei denn, die Follower haben dem explizit zugestimmt. Der Vertrag sollte diese Grenzen klar setzen und beide Parteien vor unbeabsichtigten DSGVO-Verstößen schützen.

Verpflichtung zur Wahrheit und Authentizität

Ein Influencer ist verpflichtet, wahrheitsgemäße Aussagen zu machen. Dies bedeutet, dass er nicht behaupten darf, dass ein Produkt Effekte hat, die es nicht hat, oder dass es medizinische Wirkungen besitzt, wenn nicht klinische Studien dies belegen. Besonders im Beauty-, Fitness- oder Health-Bereich ist dies eine häufige Problemquelle. Der Vertrag sollte explizit festlegen, dass der Influencer nur solche Aussagen macht, die durch Fakten gestützt sind. Für Health-Claims und medizinische Aussagen sollte das Unternehmen die Verantwortung tragen, da es die wissenschaftliche Grundlage haben sollte. Der Influencer sollte nur authentische Erfahrungen teilen oder sich auf vom Unternehmen bereitgestellte Aussagen beschränken. Eine zu große Kontrolle über die Authentizität kann allerdings die Glaubwürdigkeit des Influencers untergraben, daher sollte ein ausgewogener Ansatz gefunden werden: Das Unternehmen gibt Kernbotschaften vor, der Influencer formuliert diese in seinen eigenen Worten.

Konformität mit Plattform-Richtlinien

Instagram, TikTok, YouTube und andere Plattformen haben eigene Nutzungsbedingungen und Richtlinien. Der Vertrag sollte regeln, dass beide Seiten diese einhalten. Dies umfasst Regeln gegen Spam, Fake-Engagement, Hashtag-Missbrauch und Richtlinien gegen irreführende Inhalte. Der Influencer muss etwa wissen, dass gekaufte Likes oder Follower zu Sperrungen oder Deaktivierung des Accounts führen. Das Unternehmen darf nicht verlangen, dass der Influencer gegen Plattformrichtlinien verstößt. Falls ein Post von einer Plattform entfernt wird, weil er gegen deren Richtlinien verstößt, sollte geklärt sein, wer verantwortlich ist. Typischerweise trägt der Influencer die Verantwortung für technische Einhaltung der Richtlinien, während das Unternehmen für die inhaltliche

Fazit

Ein durchdachter Influencer-Kooperationsvertrag ist das Fundament einer erfolgreichen und rechtssicheren Zusammenarbeit. Die klare Festlegung von Post-Anzahl, Vergütungsmodellen und Kennzeichnungspflichten schützt beide Parteien vor Missverständnissen und rechtlichen Konsequenzen. Besonders die transparente Werbekennzeichnung ist nicht nur eine gesetzliche Anforderung, sondern auch ein Vertrauensfaktor für die Follower des Influencers. Bei der Vertragsgestaltung sollten Unternehmen und Content-Creator ihre individuellen Anforderungen berücksichtigen und gegebenenfalls rechtliche Beratung in Anspruch nehmen. Mit einem professionell ausgestalteten Vertrag schaffen Sie eine solide Basis für eine produktive Partnerschaft, die für alle Beteiligten gewinnbringend ist. Investieren Sie Zeit in die detaillierte Vertragsgestaltung – es zahlt sich in langfristigen und erfolgreichen Influencer-Kooperationen aus.